Soziales Kapital
Herzlich willkommen auf der Startseite des Basler Instituts für Gemeingüter und Wirtschaftsforschung!
Was ist eigentlich Sozialkapital und wie können wir es messen?
Eine einfache Definition: Sozialkapital ist die Fähigkeit einer Gemeinschaft, aus eigener Kraft ihre Probleme zu lösen.
Wo liegt diese Fähigkeit, die einst als Solidarität, Opferwille oder Gemeinsinn bezeichnet wurde? Ist sie durch Wohlstand und Sozialstaat verloren gegangen? Oder liegt sie verborgen im schäbigsten Vorstadtviertel wie in den Wohlstandsresorts der Wirtschaftsmetropolen?
Unser Institut ist mit seiner Forschung eine Art Sozialarbeiter für grosse und kleine Gemeinschaften. Ob die Entschuldung der Bundesrepublik Deutschland, die Bewertung der nichtorganisierten Freiwilligenarbeit (Achtung: PDF mit 2 MB) im Kanton Basel , die Einrichtung von genossenschaftlichen Dorfgasthäusern in Baden oder die Berechnung des weltweiten Sozialkapitals in Index Benchmarks – stets geht es darum, das Sozialkapital aufzuspüren und zu messen, um es schliesslich als Wert nutzbringend einzubringen.
Welchen Wert haben eigentlich Gemeinschaften jenseits des gemessenen Bruttoinlandsprodukt je Einwohner? Diese Frage ist nach der Finanzkrise durchaus aktuell. Schliesslich hängen die öffentlichen Finanzen völlig von dem ab, was Gemeinschaften erwirtschaften. Miteinander. Gegeneinander. Füreinander?
In Volks- und Bertriebswirtschaft sind Humankapital und Opportunitätskosten als Messfaktoren zwar bekannt, werden aber in der Praxis selten verwendet. Die fehlende Bewertung der sogenannten “weichen” Faktoren wie Kultur, Religion, Nachbarschaft und soziale Netzwerke wird zwar von Aktivisten oft beklagt, aber daraus sind bisher keine alternativen Mess- und Bewertungsmethoden hervorgegangen.

Eine Kleinstadtgalerie im badischen Staufen. Belebt die Fußgängerzone. Verhindert Leerstand. Bildet und verbindet.
Mit dem Schwerpunkt auf die Messung, Bewertung und Entwicklung von Sozialem Kapital bietet das Basler Institut für Gemeingüter und Wirtschaftsforschung eine innovative Verbindung von Wirtschafts- und Sozialforschung. Zur bisherigen Definition von Sozialkapital gibt es einen lesenswerten Aufsatz von Urs Birchmeier (als PDF) vom SECO (State Secretariat for Economic Affairs) aus dem Jahr 2002.
Die OECD stellte 2004 fest, die Forschung zum Sozialkapital befände sich noch im Frühstadium. Unsere Mitarbeiterin Renée Steffen, die an der Universität Luzern Soziologie studiert, bietet hier eine kleine und aktuelle Einführung zum Begriff.
Drei Aspekte stehen bei der Bewertung von Sozialem Kapital im Vordergrund:
1.) Geschenke und Freiwilligenarbeit. Was bieten Menschen anderen Menschen ausserhalb der Familie ohne Anspruch auf Gegenleistung an?
2.) Vertrauen. Wie stark vertrauen die Mitglieder von Gemeinschaften anderen innerhalb und ausserhalb der Gemeinschaft?
3.) Lokale Wertschöpfung und Autarkie. Wie viele Dienste und Produkte können innerhalb einer Gemeinschaft selbst erbracht werden?
Diese klare Definition ermöglicht es, sehr unterschiedliche Bereiche der Gesellschaft, etwa Religion, Verkehr, Sicherheit, Gesundheit und Kultur, Genossenschaften, Gemeinden, Vereine und Initiativen, Unternehmen und Verbände unter einem gemeinsamen Aspekt zu beschreiben.
Dabei wird die Erforschung und Beschreibung von Sozialem Kapital selbst zum Teil des Sozialen Kapitals. Wir Forscher beschreiben also nicht ein von uns getrenntes Objekt, sondern sind selbst ein Teil der Gemeinschaft, die sich durch unsere Arbeit weiterentwickelt.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine inspirierende Lektüre unserer Angebote hier im Internet!
Ihr Alexander Dill
admin am Juli 17th 2010






